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Die Maker-Schule

Dr. Markus Stäuble vom Franzis Verlag inmitten seines Bücher-Fundus.

Bücher und Lernpakete für die Tekkies von morgen: Mit Hilfe von Produktmanager Markus Stäuble meistert der Franzis-Verlag erfolgreich die IT-Buch-Krise.

Keine Hausautomation, kein intelligenter Kühlschrank, kein „Internet der Dinge“. Stattdessen: spielen, vorlesen, ins Bett bringen. Markus Stäuble ist ein Vater, dem nichts wichtiger ist, als für seine beiden Kinder da zu sein. Seine Arbeit ist nach Feierabend kein Thema. Doch manchmal kann er einfach nicht anders. Als sein vierjähriger Sohn ein neues Playmobil-Auto über den Teppich schiebt, schießt Markus Stäuble sofort eine Idee durch den Kopf: Da könnte man doch einen Motor einbauen! Was folgt, ist technisches Kopfkino: Welchen Motor würde man wählen, wie würde man ihn steuern, wie ihn vernetzen?

Google-Suchmaske vs. Fachbuchabteilung

Während Markus Stäuble die Anekdote erzählt, sitzt er in seinem Büro vor dem PC-Bildschirm. Um ihn herum kreative Unordnung: ein vollgestopftes Bücherregal, ein selbstgebasteltes UKW-Radio, diverse Bausätze auf dem Schreibtisch. „Ich habe Technik im Blut“, sagt Stäuble über sich. Schon als Kind experimentierte er mit dem C64 und der Programmiersprache Basic. Nach dem Fachabitur studierte er Informatik, war unter anderem Chefentwickler bei einem Web-Dienstleister. 2008 schrieb er das erste deutsche Buch über iPhone-Programmierung. Heute arbeitet der 40-Jährige in einer Branche, von der es heißt, sie sei in der Krise: Er ist Produktmanager bei einem Fachverlag für Computerbücher.

Tatsächlich war 2013 für viele seiner Kollegen ein Schicksalsjahr. Drei renommierte IT-Fachverlage machten dicht. Ironie des Schicksals: Eine Branche, die ihr Geld eine Zeit lang verstärkt mit Internet-Erklärbüchern verdient hat, wird ausgerechnet von ebendiesem Internet aufgefressen. Viele potenzielle Kunden informieren sich lieber schnell und günstig. Die Google-Suche droht der Fachabteilung im Buchhandel den Rang abzulaufen.

Als die Branche vor zwei bis drei Jahren zu kämpfen begann, hatte der Franzis-Verlag sich bereits neu orientiert.

Mehr Maker, weniger Nerd: Ein Verlag erfindet sich neu

Den Franzis-Verlag aus dem Münchner Umland, bei dem Markus Stäuble arbeitet, gibt es immer noch. Von Krise keine Spur. Entsprechend selbstbewusst klingt das neue Verlagsmotto: „Die Marke der Experten“. Doch wie haben Markus Stäuble und seine Kollegen den Schalter umgelegt? „Als die Branche vor zwei bis drei Jahren zu kämpfen begann, hatten wir uns bereits neu orientiert“, sagt er. Das Resultat: Frühere Titel wie „Word für Senioren“ oder „Internet für Späteinsteiger“ sucht man im Katalog 2015 vergeblich. Franzis hat einen kontinuierlichen Imagewandel vollzogen. Vom Kerngeschäft der klassischen Computer- und Elektronik-Ratgeber hin zu jüngeren Technikthemen, die im Trend liegen: Experimentieren mit Raspberry Pi und Arduino. Roboter, Hacking und Internetsicherheit. Digitales Fotografieren und Bildbearbeiten. Einige Longseller laufen weiterhin nebenher, etwa das Handbuch für die aktuelle Windows-Version oder der „Führerscheintrainer 2015/2016“.

Ein alter Staubsauger wird zur Minibar

Die Prämisse bei der Themensuche ist klar: Als Mehrwert für den Leser braucht der Verlag Inhalte, die man nicht im Internet findet. Zielgruppe sind sowohl erfahrene Tüftler als auch Neulinge. Doch eine Grundidee allein reicht nicht aus: Sie muss so ergiebig sein, dass sie ein ganzes Buch füllt. Wird gebastelt oder elektronisch gesteuert, ist Markus Stäuble zuständig. Dabei widmet sich sein Arbeitgeber inzwischen verstärkt einer Szene, die seit einigen Jahren aus den USA nach Europa schwappt: Die Maker sind da – bevorzugt anzutreffen in FabLabs oder Repair-Cafés.

„Wir suchen das, was nicht im Internet steht – und machen Bücher daraus.“

Der Kerngedanke ist einfach: Maker möchten Dinge nicht wegwerfen, sondern kreativ weiterverwerten. Franzis bietet dazu die passenden Bücher: So beschreibt ein „Upcycling“-Ratgeber, wie man aus einer defekten Waschmaschine einen Grill baut. Oder aus einem ausrangierten Staubsauger eine Minibar. Ein „Biohacking“-Buch führt wiederum in die Welt der Biobastler und DIY-Biologen ein – ganz im Sinne einer weiteren Maker-Vision: Wissenschaft und Technik für die breite Bevölkerung zugänglich zu machen.

Überraschungshit: ein Fledermausdetektor zum Selberbauen

„Auf der Maker Fair in New York laufen an zwei Tagen rund 100.000 Menschen durch die Hallen“, erzählt Markus Stäuble. „So weit sind wir hier noch lange nicht.“ Auch in Deutschland und Europa besuchen er und seine Kollegen die relevanten Technik- und Maker-Messen. „Dabei analysieren wir den Markt und kommen mit unseren Lesern ins Gespräch.“ Stäuble holt einen Bausatz mit der Aufschrift „Fledermausdetektor zum Selberbauen“ aus dem Regal. „Wenn es sich anbietet, bekommt der Kunde bei uns nicht nur ein Buch, sondern direkt ein Buch-Zubehör-Paket.“

„Der Raspberry Pi-Trend hat seinen Höhepunkt erreicht, als nächsten boomen Drohnen und 3D-Drucker.“

Noch vor vier Jahren bot Franzis in seinem Bausatz-Programm in erster Linie Radios an. „Dann wollten wir die Sparte erweitern und haben auf Vorschlag eines Kunden den Fledermausdetektor herausgebracht.“ Kein Trendthema, kein Nummer-sicher-Produkt, intern durchaus umstritten: Franzis setzte auf Instinkt statt auf Marktanalyse – und landete einen Überraschungserfolg. Inzwischen hat der Verlag aus der vermeintlichen Schnapsidee sogar eine ganze Produktreihe gemacht: Metall- und Elektrosmogdetektoren, Schallpegelmesser, Gewitterwarner.

Fledermausdetektor statt Radio-Bausatz – Franzis setzte auf Instinkt statt auf Marktanalyse.

Ein Verlag als Schule für die Maker von morgen

Der Ideengenerator – das ist der Ruf, den sich Markus Stäuble im Verlag erarbeitet hat. Als Produktmanager verantwortet er bis zu 30 Neuerscheinungen im Jahr: „Die kann ich unmöglich alle selbst schreiben.“ Daher arbeitet Stäuble mit freien Autoren zusammen. Eine Ausnahme ist das kürzlich erschienene Experimentierpaket zum „Internet der Dinge“. Das Konzept hat er gemeinsam mit zwei Kollegen entwickelt, das Handbuch selbst verfasst – „an diesem Schreibtisch“. Zielgruppe seien besonders Jugendliche, die das „Internet der Dinge“ spielerisch kennenlernen möchten. Nicht nur das: „Das Experimentierpaket ist so ausgerichtet, dass es an Gymnasien in der 6. und 7. Klasse als Informatik-Lehrmaterial eingesetzt werden kann.“ Stäuble nimmt das Hardware-Herzstück zur Hand: eine pfotenförmige Hauptplatine, auf die diverse Sensoren aufgesteckt werden können. Mit Hilfe der im Paket enthaltenen Software „FlowStone“ fungiert sie als Lenkzentrale. Das Konzept baut auf Steigerung und schnellen Erfolgen auf: Der Leser lernt zunächst die wichtigsten Elemente der Programmierung. Danach kann er Experimente durchführen. Ist ein Ziel erreicht, folge die nächste Etappe.

„Ich habe Technik im Blut“, sagt Stäuble über sich.

Experimentieren mit dem „Internet der Dinge“

„Wir möchten auf unterhaltsame Art und Weise zeigen, wie die Vernetzung von Alltagsgegenständen mit dem Internet funktioniert.“ Markus Stäuble führt eine der fortgeschrittenen Aufgaben vor: Er verbindet die Hauptplatine per USB mit dem Rechner und steckt einen Temperatursensor, einen Summer und eine digitale Zahlenanzeige auf. Dann lädt er auf dem Bildschirm die dazugehörige Programmoberfläche. „Damit das Experiment funktioniert, müssen die Komponenten an den richtigen Stellen aufgesteckt und verknüpft werden.“ Stäuble stellt über seinen PC einen Schwellenwert ein: 32 Grad. Noch liegt die Anzeige bei 27 Grad, der aktuellen Raumtemperatur. Nun hält Stäuble seine Hand über den Temperatursensor. Sofort schnellt die Anzeige nach oben. Erst auf 32, dann auf 43 Grad. „Schwellenwert überschritten.“ Als Reaktion gibt der Summer einen doppelten Piepton von sich. „Im gleichen Moment schaltet ein Relais“, erklärt Stäuble. Ein Musterbeispiel für das „Internet der Dinge“: Denn an das Relais könnte man im echten Leben ein weiteres Gerät anschließen. Etwa einen Ventilator, der immer dann angeht, wenn eine bestimmte Temperatur im Raum überschritten wird.

Selbermacher verändert Selbermach-Verlag

Neuerdings gibt es bei Franzis sogar mehrere Reihen für die ganz junge Zielgruppe: „Abenteuer Elektronik“ und „Der kleine Hacker“ lassen Kinder die Welt der Wissenschaft und Technik erkunden. Die „SmartKids“-Blechboxen stellen elektronische Bauteile für kleine Experimente zur Verfügung. „Die weiteren Zutaten finden sich in jedem Haushalt“, sagt Stäuble. „Wir zeigen zum Beispiel, wie man mit Obst und Gemüse Energie erzeugt.“

Das Kinder- und Jugendprogramm ist neben den Maker-Büchern die Sparte bei Franzis, die am stärksten wächst. In diesem Sinne könnte man den Verlag als „Schule“ für den Maker-Nachwuchs bezeichnen – mit Markus Stäuble als „Stufenleiter“. Ausgerechnet der Mann, der als Schüler der 8. Klasse einen Informatik-Wettbewerb gewann, unterstützt heute die Tekkies und Ingenieure von morgen.

„Als Kind habe ich mit dem Commodore 64 experimentiert, heute entwickele ich Lernpakete für die Tekkies von morgen.“

Einen Kühlschrank, der mit dem Internet spricht, hat Markus Stäuble immer noch nicht: „Keine Zeit.“ Doch was ist mit dem Motor für das Playmobil-Auto seines Sohnes? Wäre das nicht ein Thema für einen Ratgeber? Schließlich gibt es bereits ein Buch im Verlag, das zeigt, wie man Lego-Steine zum Leben erwecken und per Smartphone steuern kann. „Ausschließen kann man das nicht“, sagt Markus Stäuble und lächelt. Auf seinem Büroschreibtisch liegt ein Exemplar des Mikrocontrollers Arduino, daneben steht eine Playmobil-Packung. „Ich probiere hier gerade so einiges aus.“Selbermacher verändern die Welt. Markus Stäuble ist einer.

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