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Frauen und Technik

Ulrike Meyer in der Willenbrock Auslieferungshalle. Sie beherrscht jedes Staplermodell aus dem FF.

IT-Karriere mit LKW-Führerschein: Mehr als 12 Jahre verkaufte Ulrike Meyer Lastwagen und Gabelstapler – dann wurde sie Abteilungsleiterin für „Digitale Lösungen“. Neben ihrer Arbeit bloggt sie als „Datenelfe“ über technische Gadgets.

Fast alle technisch begeisterten Menschen durchlaufen in ihrer Kindheit und Jugend die entsprechende Prägephase. In diesem Fall sieht sie so aus: Mit zwei Jahren auf Papas Schoß vor Freude jauchzen, wenn der Computerbildschirm auf das Tastaturtippen reagiert. Mit neun Jahren eigenständig eine Grafikkarte in den PC einbauen. Mit zwölf Jahren autodidaktisch Programmieren lernen. Mit sechzehn Jahren als Konzert-Roadie in die Welt der Licht- und Tontechnik eintauchen. Würde es uns wundern, wenn die betreffende Person sich heute beruflich mit digitalen Themen beschäftigt? Und wenn sie nebenbei in einem privaten Blog über ihre Erfahrungen mit Apple Pencil oder Raspberry Pi berichtet? Nein, würde es nicht. Schließlich klingt das alles wie der Beginn einer ganz normalen Tekkie-Karriere. Einen außergewöhnlichen Aspekt gibt es allerdings: Die betreffende Person ist eine Frau. Sie heißt Ulrike Meyer, stammt aus Oldenburg und arbeitet in Bremen. Seit Anfang 2015 leitet sie in einem mittelständischen Unternehmen die Abteilung „Digitale Lösungen“.

Die einzige IT-Spezialistin mit LKW- und Stapler-Führerschein

Ulrike Meyer, „stolz, ein Nerd zu sein“, gehört zu einer Minderheit: Branchenschätzungen zufolge liegt der Frauenanteil in IT-Berufen bei gerade mal 15 Prozent. Tatsächlich ist der berufliche Hintergrund der 38-jährigen nicht nur außergewöhnlich – eine Frau als IT-Führungskraft –, sondern einmalig: Meyer dürfte die einzige IT-Spezialistin überhaupt sein, die sowohl einen LKW- als auch einen Gabelstaplerführerschein besitzt. Nun sitzt sie im Konferenzraum ihres Arbeitgebers und erzählt die dazugehörige Geschichte. Eine Geschichte, die von Leidenschaft, Mut und Vernunft getragen wird und über Umwege verläuft.

Nur zum Spaß: So testen die Willenbrock Mitarbeiter sowohl die feinfühlige Mechanik der Stapler als auch das Geschick der Mitarbeiter.

,,Für mich ist ''Nerd'' ein positiver Begriff: Jemand, der technikverliebt ist und Dinge neu gestalten möchte.''

„Die Leidenschaft für Computer habe ich von meinem Vater“, sagt sie. „Der ist Programmierer, und durch seinen Job hatten wir immer die neueste Technik zu Hause.“ Bereits als Grundschulkind bekommt Meyer ihren ersten eigenen Computer, einen Commodore 64. Später übt sie mit Turbo Pascal programmieren, und in der 6. Klasse macht sie ihre Hausaufgaben am Rechner und druckt sie aus. In der Oberstufe am Gymnasium kristallisiert sich eine Rolle heraus, der Ulrike Meyer bis heute „treu“ geblieben ist: „Unser Informatik-Lehrer war eigentlich gar kein richtiger Informatik-Lehrer, sondern musste das Fach irgendwie nebenbei unterrichten. Und dann habe ich ihm erklärt, wie das, was er uns beibringen sollte, wirklich funktioniert.“ So wird Meyer als angehende Abiturientin zum ersten Mal zur „IT-Botschafterin“.

Mittlerin zwischen digitaler und analoger Welt

Nach dem Schulabschluss geht Ulrike Meyer für ein Jahr als Au Pair nach Seattle. Das Schicksal verschlägt sie ausgerechnet in eine Familie, deren Vater als Entwickler in der nahe gelegenen Zentrale von Microsoft arbeitet. Der digitale Unternehmergeist der Stadt inspiriert sie. „In den USA habe ich mir nebenbei ein Taschengeld verdient, indem ich aus verschiedenen Einzelteilen für Freunde und Bekannte Rechner zusammengestellt habe. Das lohnte sich damals noch.“ Zurück in Deutschland kommt das Thema „Vernunft“ ins Spiel: Etwas Solides, eine Ausbildung muss her. „Studieren wollte ich nicht, denn ich hatte nach der Schule einfach keine Lust mehr auf Frontalunterricht“. Per Zufall landet sie bei einem international tätigen Vertriebsunternehmen für Schuhe und beginnt eine Lehre als Groß- und Außenhandelskauffrau. Dort kann sie nicht nur ihre Englischkenntnisse einsetzen, sie findet auch ein Ventil für ihre Tekkie-Leidenschaft: Mitte der 1990er Jahre gibt es bereits die ersten Digitalkameras. Meyer erstellt für die Vertriebsmitarbeiter einen in die Unternehmens-Software eingebundenen Vorab-Katalog mit den neuesten Schuh-Modellen – und wird prompt mit einem eigenen Büro belohnt. Schon damals macht sie etwas, das heute der Kern ihres Jobs ist: „Ich habe die zur Verfügung stehende Technologie und ihre Möglichkeiten Leuten nahe gebracht, die sich darin noch nicht so gut auskannten.“

,,In der Gabelstapler-Branche werde ich als IT-Spezialistin viel weniger in Frage gestellt als zuvor als Verkäuferin.''

Ulrike Meyer interessierte sich schon als Kind für Technik, rückblickend datiert sie den Beginn ihrer Tekkie-“Karriere“ auf das Jahr 1985.

Mit 23 Jahren wechselt Ulrike Meyer in den technischen Investitionsgüterbereich. Ein LKW-Hersteller sucht einen technikaffinen Mitarbeiter mit Organisationstalent. Meyer fühlt sich angesprochen – und wird genommen. Offiziell arbeitet sie im „Road Show Management“. „Tatsächlich habe ich für das Unternehmen zehn Jahre lang LKWs verkauft“. Ulrike Meyer schafft es, sich in der Männerdomäne zu etablieren – mit Mut, Charme und Durchsetzungsvermögen: „Wenn du täglich mit Lastwagen zu tun hast, darfst du nicht aus Zucker sein. Als Frau brauchst du in so einem Umfeld etwas länger, bis dich alle Kunden als Ansprechpartner akzeptieren.“ Ulrike Meyer beobachtet zwei typische Reaktionen: A) „Sie verkaufen jetzt nicht wirklich LKWs?“B) „Das ist aber toll, dass Sie LKWs verkaufen!“ Erstaunlicherweise seien ältere Männer seltener skeptisch gewesen als jüngere. „Vielleicht können sich die älteren eher vorstellen, dass ihre Tochter oder Enkelin mal so einen Job ausübt. “Zusätzlichen Respekt verschafft sich Meyer, indem sie einen LKW-Führerschein macht. „Wenn man einmal mit einem großen Lastwagen bei einem Kunden vorgefahren ist, gibt es dort nie wieder Fragen nach der Kompetenz.“

Neue Mission: Gabelstaplern digitale Technik „beibringen“

Von der Nutzfahrzeugverkäuferin mit IT-Leidenschaft zur IT-Spezialistin für die Nutzfahrzeugbranche: Bei ihrem aktuellen Arbeitgeber, der Willenbrock Fördertechnik GmbH, ist Ulrike Meyer endlich offiziell in der Digitalbranche angekommen – über einen internen Umweg: Für den Vertriebshändler der führenden Marke Linde verkauft sie zunächst zweieinhalb Jahre Gabelstapler. Bis der Geschäftsführung des Unternehmens nach und nach auffällt, dass die erste Frau, die es in den 50 Jahren Unternehmensgeschichte am Standort Bremen in den Verkauf geschafft hat, ein ausgewiesener Nerd ist. Nachdem Meyer für einen der Kunden – einen Schlachthof – in Kooperation mit einem Programmierer nebenbei eine App zur Prozessoptimierung entwickelt hat, fällt die Entscheidung: Ulrike Meyer wird Leiterin der neu geschaffenen Abteilung „Digitale Lösungen“. Seit Anfang 2015 führt sie damit die „Botschafter“-Rolle fort, die sie schon in Schule und Ausbildung instinktiv übernommen hat: Sie erklärt Kunden, die mit IT wenig bis gar keine Erfahrungen haben, wie IT ihren Alltag positiv verändern könnte. Meyers große Stärke ist ihre „Zweisprachigkeit“: „Einerseits kenne ich 78 Gabelstapler-Baureihen sowie den Alltag und die Probleme der Kunden. Andererseits verstehe ich so viel von Programmiersprachen und IT, dass ich beide Seiten zusammenbringen kann.“

,,Meine Kompetenz liegt darin, dass ich einer traditionell analogen Branche die Chancen digitaler Lösungen vermitteln kann.''

So sieht er aus, der Arbeitsplatz einer Technik-Enthusiastin. Im Vordergrund steht ein Programmier- und Lesegerät für Transponder.

Momentan testet Ulrike Meyer mit Hilfe des neuen Online-Dienstes Conrad Connect in Bremen eine IoT-Lösung, um den Wareneingang zu digitalisieren. „Hier im Haus haben wir quasi eine Spielwiese für den proof of concept. Wenn etwas intern funktioniert, können wir damit auch nach draußen gehen.“ Vom digitalen Flottenmanagement bis zur Sicherheits-Lichtschranke in der Werkshalle: Im Prinzip bedient Meyer mit der neuen Abteilung die gleichen Kunden wie vorher, nur mit anderem Schwerpunkt. „Die Verkäufer wissen, dass sie mich sofort anrufen können, sobald bei einem Außentermin das Thema Digitalisierung zur Sprache kommt.“

Von der hilfreichen „Datenelse“ zur bloggenden „Datenelfe“

Auch im Privatleben ist Ulrike Meyer seit jeher der Tekkie vom Dienst: „Ich bin diejenige, die bei allen Computer, WLAN und Smartphones einrichtet.“ Dazu passt die Maßregel unter Verwandten und Freunden: „Wenn man nicht weiß, was man Ulli schenken soll, dann einfach was mit einem Stecker dran.“ Vor zwei Jahren hat Meyer obendrein beschlossen über ihren digitalen Alltag zu bloggen. Die Vorlage für den Blog-Namen lieferte ein Servicetechniker am Willenbrock-Standort Hannover. Dessen Originalton, angesichts eines PC-Problems: „Ruf doch mal die Datenelse in Bremen an, die weiß sicher, wie das funktioniert.“ Ulrike Meyer ersetzte einfach das „s“ durch ein „f“, seitdem ist sie die „Datenelfe“. „Am liebsten hätte ich das auch auf meine Visitenkarte geschrieben“, erzählt sie schmunzelnd. Sie hat sich schließlich für eine andere, ähnlich unkonventionelle Lösung entschieden, die ihre Rolle in der Branche auf den Punkt bringt: „Digitale Überzeugungstäterin“. Bisher habe es noch niemand gegeben, der auf diese Berufsbezeichnung nicht reagiert habe: „Es ist immer positiv.“

Ulrike Meyer, die digitale Überzeugungstäterin, hat ihre Nische gefunden. Sie selbst bezeichnet sich als „lausigen“ Programmierer: „In der klassischen IT hätte ich damit nie glänzen können.“ Um so wohler fühlt sie sich als Digital-Botschafterin im traditionell analogen „Stahl und Eisen“-Umfeld. Ihr Ziel: Wenn sie in Rente geht, möchte sie, dass ihr Name in irgendeiner Form mit der Digitalisierung der Gabelstapler-Branche verbunden wird. „Gar nicht so einfach, wenn man Meyer mit Nachnamen heißt“, sagt sie mit ironischem Unterton. „Aber ich arbeite dran.“

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